|
Ein Dorf baute sich eine Kirche |
| Auf der Lahnhöhe über Nassau und Dausenau liegt das Dorf Hömberg. Seit Jahrhunderten gehörte es als Filialort zur Ev. Kirchengemeinde Nassau. |
| Der Kirchgang bei Wind und Wetter über den noch heute vorhandenen Kirchweg nach Nassau war immer sehr beschwerlich; denn der Höhenunterschied beträgt fast 300 Meter. Es war daher verständlich, dass sich die Hömberger schon früh um den Bau einer eigenen Kirche bemühten. Im Hessischen Hauptstaatsarchiv befindet sich ein Gesuch des "Kircheninspectors Stein vom 18.3.1738 an den hochwürdigen, in Gott andächtig und hochgelehrten, hochgeehrtesten Herrn Generalsuperintendenten“, worin die Hömberger schon damals den Wunsch nach einer eigenen Kirche bekräftigten. |
| Es dauerte aber dann noch mehr als 200 Jahre, bis der Traum endlich Wirklichkeit wurde. 1955 erfolgte dann der erste entscheidende Schritt. Die Gemeinde erwarb einen Bauplatz. Die Voraussetzungen waren gegeben. Nun fehlte nur noch die Tat. |
| Die kam bald. Der milde Winter 1956/57 erlaubte schon im Januar die Bautätigkeit. |
| Ein Einwohner des Dorfes, Fritz Linscheid, stand eines Tages auf dem Baugrundstück, hielt den Bauplan in den Händen und verstand es, die Umstehenden zu begeistern. Sie gingen nicht auseinander, sondern sie berieten, steckten ab und gruben. Ende Januar 1957 waren die Ausschachtungsarbeiten beendet, und am 6. Februar 1957 standen die Mauern schon über einen Meter hoch. Der Anfang war gemacht! Freiwillige Helfer fanden sich immer wieder in großer Zahl ein. Wer nicht Bauhandwerker war, fuhr mit seinem Gespann Material zur Baustelle oder legte anderweitig Hand an. Rasch wuchs der Bau in die Höhe, und selbst die ärgsten Zweifler mussten zugeben, dass etwas geleistet wurde. Rund 62 Festmeter Stammholz (46,91 fm aus demHömberger Wald und 15,12 fm aus dem Zimmerschieder Wald = Wert 6589,21 DM ohne Berechnung) wurden gegen Bauholz umgetauscht und während die Maurer noch mit dem Hochziehen der Mauern beschäftigt waren, bereiteten die Zimmerleute bereits das Gebälk vor. Schon am 17. April wurde das Richtfest gefeiert. Ein stattlicher Bau war entstanden: 15 m lang, 7 m breit und 7 m hoch. | ![]() |
| Nun begannen die Innenarbeiten. Wieder sind sachkundige und viele hilfsbereite Hände zur Stelle. Gleichzeitig wird das Gelände um die Kirche herum eingeebnet und bepflanzt. Die Freude am Werk ließ die Hände nicht ruhen und schon am 18. Mai versammelte sich die Gemeinde mit dem Nassauer Pfarrer Merz, dem langjährigen Betreuer der Filialgemeinde, an der neuen Kirche um in einer kleinen Feier den Hahn auf das Dach des Türmchens zu setzen. Schon liegt der Einweihungstag fest: Am Pfingstsonntag soll die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden. An diesem Festtag, dem 9. Juni 1957, sah Hömberg so viele Menschen in seinen Straßen wie noch nie bei einem festlichen Anlass. Pfarrer Dr. zur Nieden, Propst für Süd-Nassau, hielt die Festpredigt über Römer 8, Vers 14: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“. Nur ein kleiner Teil der Festgäste fand in der Kirche Platz. Aber auch die Außenstehenden verspürten etwas von der Freude und der Gläubigkeit, mit der das neue Gotteshaus errichtet worden war. Männer, Frauen und auch die Kinder der Gemeinde hatten fleißig und unentgeltlich am Bau mitgeholfen und ihn dadurch erst ermöglicht. |
| So ist in einem kleinen Dorf eine Kirche entstanden. Möge sie auch nach fast 50 Jahren über weitere Generationen hinweg den Gemeinschaftsgeist des Dorfes wach halten, die Gläubigen zum Worte Gottes führen und eine Quelle christlicher Gemeinschaft bleiben. |
| (nach einem Zeitungsbericht aus dem Jahre 1957) |
![]() |
Die Kirche zu Hömberg an einem schönen Herbsttag im Jahre 2005 |